Tabelle 2 zeigt die Entwicklung der Tariferstattungsquoten auf west- und ostdeutscher Industrieebene zwischen 1995 und 2000. In diesem Zeitraum ging die Abdeckung in West um 9,4 Prozentpunkte und in Ostdeutschland um 10,8 Punkte zurück. Da die Deckungsquoten in Westdeutschland immer noch weit über dem 50-Prozent-Niveau liegen, haben branchenweite Tarifverträge offensichtlich immer noch die Macht, Löhne und Arbeitsbedingungen für die Mehrheit der Beschäftigten zu regulieren. Auffallend ist jedoch, dass der Rückgang zwischen 1998 und 2000 an Fahrt aufgenommen zu haben scheint. Bis zu einem gewissen Grad zeigen die neuen Daten über die Tarifsicherung, was Forscher auf dem Gebiet der vergleichenden Arbeitsbeziehungen seit vielen Jahren vermuten: Das deutsche System der Arbeitsbeziehungen erlebt einen schrittweisen Wandel, verfügt aber über starke Checks and Balances, die Gewerkschaften, Arbeitgeber und Staat vor schnelleren und grundlegenderen Veränderungen schützen. Mit Ausnahme Ostdeutschlands ist die Mehrheit der Beschäftigten nach wie vor von branchenweiten Tarifverhandlungen erfasst, und selbst viele unternehmen, die sich gegen eine Vereinbarung entscheiden, können es sich nicht leisten, am Rande der Gesellschaft zu stehen. So wenden viele von ihnen tariflich vereinbarte Standards freiwillig an. In ihrem Ansatz für Tarifverhandlungen und die Erneuerung von Tarifverträgen verfolgt die Regierung das Ziel, eine gerechte Entlohnung der Arbeitnehmer zu gewährleisten und gleichzeitig unsere allgemeine haushaltspolitische Verantwortung und unser Engagement für die Prioritäten der Regierung und der Kanadier zu erfüllen. In Bezug auf den Tarifabschluss stellt die Studie fest, dass größere Betriebe häufiger unter Tarifverträge fallen als kleinere (Tabelle 1). Die Daten zeigen auch, dass im Jahr 2005 etwa 38 % bzw. 3 % der Betriebe in Westdeutschland durch Branchen- bzw.

Betriebsvereinbarungen abgedeckt waren, während 19 % bzw. 4 % der Unternehmen in Ostdeutschland von Branchentarifverträgen bzw. Betriebsvereinbarungen erfasst wurden. Mehr als die Hälfte der Betriebe in Westdeutschland und rund drei Viertel der ostdeutschen Unternehmen waren nicht an Tarifverträge gebunden. Mehr als ein Drittel der Unternehmen in Ost- und Westdeutschland gab zu, branchenspezifische Tarifverträge als Richtschnur für Einzelverträge zwischen dem Unternehmen und seinen Mitarbeitern zu verwenden. Eine im Dezember 2001 veröffentlichte Studie, die auf Betriebsdaten für das Jahr 2000 beruhte, ergab, dass ein rückläufiger Anteil deutscher Unternehmen von branchenweiten Tarifverträgen erfasst wird. Obwohl es immer noch eine beträchtliche Anzahl von Unternehmen gibt, die die Tarifbedingungen freiwillig anwenden, ohne rechtlich daran gebunden zu sein, nimmt die Geschwindigkeit des Rückgangs der Tarifbindung zu. Während größere Unternehmen und ihre Tochtergesellschaften eher dazu neigen, abgedeckt zu werden, fallen kleinere, nicht inkorporierte und neu gegründete Unternehmen tendenziell außerhalb branchenweiter Tarifverträge.

Im Mai 2006 wurden die Ergebnisse einer Studie veröffentlicht, die die Verwendung, Verteilung und Wirkung von Öffnungsklauseln in Tarifverträgen in Deutschland untersuchte. Der Studie zufolge wurden Öffnungsklauseln weitgehend dazu verwendet, von kollektiv vereinbarten Arbeitszeitstandards abzuweichen, und wurden seltener angewendet, um die Löhne zu senken. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass große Betriebe nach wie vor überwiegend von Branchentarifverträgen abgedeckt sind. Darüber hinaus nutzen kleine Betriebe, die nicht unter Tarifverträge fallen, auch Tarifstandards auf Branchenebene als Richtschnur für die Lohnverhandlungen. Daher bleiben Tarifverhandlungen das bedeutendste System der Lohnfestsetzung. Die IAB-Daten bestätigen jedoch auch eine rückläufige Abdeckung von Tarifverträgen seit Anfang der 90er Jahre. Darüber hinaus deuten die Daten darauf hin, dass die Betriebe zunehmend ein System der Lohnfestsetzung bevorzugen, das eine höhere Anpassungsflexibilität ermöglicht.